Keine Weltregierung

Im verschwörungsideologischen Milieu sehr verbreitet ist die Vorstellung, die Abschaffung der Nationalstaaten zugunsten einer Weltregierung stünde in näherer Zukunft bevor.
Sie werde durch die üblichen transnationalen Netzwerke aus Bankern, Unternehmern und Politikern vorangetrieben, die die Welt beherrschten.

Was dabei übersehen wird: Alle die genannten Personengruppen beziehen ihre Macht primär über den Kapitalismus. Und dieser ist es, der die Nationalstaaten historisch hervor- und zum Erfolg gebracht hat.
Denn er braucht sie, weil er unterschiedliche Rechtsräume für seine verschiedenen Funktionen braucht:
Konsumentennationen, deren Bevölkerung wohlhabend genug sind, um sich ihre Produkte leisten zu können. In denen die Infrastruktur und Rechtssicherheit gibt, die zum Führen ihrer Unternehmen notwendig ist.
Produzentennationen mit niedrigen Lebenserhaltungskosten und Löhnen. Mit einer Rechtsunsicherheit, durch die optimale Ausbeutung der dortigen Arbeitskräfte nichts im Wege steht. Mit korrupten, weil armen Regierungen.

Eine Abschaffung der Nationalstaaten durch die, die von ihnen profitieren, ist also nicht zu erwarten.
Nationalismus und kapitalistischer Internationalismus sind also keine Widersprüche, sondern Seiten derselben Medaille.
Beide sind Notwendig für das Funktionieren dieses Wirtschaftssystems.

Parlamentarismus und Entdemokratisierung

Der Aufgabe der Parlamentarischen Demokratie ist es, soziale Konflikte geordnet auszutragen, die sich sonst außerhalb des gesetzlichen Rahmens abspielen würden.

Damit erklärt sich auch die zunehmende Entdemokratisierung der letzten Jahren: Da außerparlamentarischer Protest mitlerweile weitgehend abgestorben ist, geht hier keine Gefahr für die herrschende Ordnung mehr aus, die durch staatliche Demokratie entschärft werden müsste.